Australien ist weit von allem — und hat deshalb eine Comedy entwickelt, die sich um kein anderes Zentrum schert. Direkter als die Briten, politischer als viele Amerikaner, mit einem eigenen dunklen Unterton. Ein Überblick über die Comedians, die das Land exportiert hat.
Tim Minchin — Musikcomedy als Hochkunst
Tim Minchin ist die seltene Kombination aus Comedy-Genie und echtem Musiker. Storm (2011), eine neunminütige Kurzanimation zu einem seiner Spoken-Word-Stücke, wurde zum viralen Manifest des rationalen Denkens. Ready for This? und Back zeigen einen Comedian, der klassische Musikausbildung mit anarchischem Humor verbindet. Als Schöpfer des West-End-Musicals Matilda the Musical bewies er, dass Humor auch im Hochkultur-Format funktioniert.
Hannah Gadsby — Die Grenzüberschreiterin
Hannah Gadsby brach mit Nanette (2018) die Regeln des Comedy-Specials. Indem sie die Form des Witzes selbst in Frage stellte — Was kostet Humor? Wer zahlt den Preis? — schuf sie ein Dokument, das weit über Comedy hinausgeht. Douglas (2019) zeigte, dass Gadsby auch nach dem Paradigmen-Wechsel komisch sein kann. Eine der wichtigsten Comedy-Stimmen der Gegenwart.
Jim Jefferies — Der Provokateur
Jim Jefferies ist der rücksichtsloseste australische Comedian im Export. Sein Material über Waffenkontrolle, Religion und persönliche Niederlagen ist so direkt, dass es regelmäßig für Empörung sorgt. Bare (2014) enthält sein berühmtes Waffenkontroll-Bit — eines der am häufigsten geklippten Stand-Up-Argumente im Internet. Jefferies ist nicht für jeden — aber seine Ehrlichkeit ist kompromisslos.
Carl Barron — Der Warmherzige
Carl Barron ist das Gegenteil von Jefferies: warm, bodenständig, ohne Agenda. Sein Observational Comedy-Stil findet das Komische in den kleinsten australischen Alltagsmomenten. Barron füllt Arenen in Australien und Neuseeland mit einem Material, das keinen Anlass zur Empörung gibt — und dabei trotzdem brillant ist. Er ist der Comedian, den australische Eltern ihren Kindern ohne Bedenken zeigen.
Adam Hills — Der Positive
Adam Hills ist bekannt für seinen inklusiven Ansatz: Comedy, die verbindet statt trennt. Als Host von The Last Leg auf Channel 4 (seit 2012) moderiert er wöchentliche Satire zu aktuellen Ereignissen. Sein persönlicher Umgang mit seiner Beinbehinderung — offen, humorvoll, ohne Sentimentalität — macht seinen Humor authentisch.
Wil Anderson — Der Politische
Wil Anderson ist der politisch engagierteste australische Comedian. Als Host von The Glasshouse (ABC) und Betreiber des TOFOP-Podcasts verbindet er Comedy mit echtem gesellschaftlichem Kommentar. Sein Edinburgh-Material ist schärfer als alles, was er fürs Fernsehen produziert — der Club-Anderson ist der ehrlichere.
Das australische Comedy-Phänomen
Australien hat eine Comedy-Szene entwickelt, die global wettbewerbsfähig ist, ohne ihre lokale Identität aufzugeben. Der Melbourne International Comedy Festival und das Edinburgh Fringe Festival sind die zwei Pole, zwischen denen australische Comedians ihre Karrieren aufbauen. Alle hier genannten Comedians haben Profile im Comedian Wiki mit Biographien, Specials und Videos.